„Hipp, hipp, hurra!“ und Tusch: Das Festival de Colores feierte 10. Geburtstag. Nach mehreren kulturellen Weltreisen um den Globus, war diesmal Russland unser Thema. Der frostigen politischen Großwetterlage zum „Riesenreich“ im Osten begegnete das Festival mit einem warmherzigen Programm vor Ort, das auf Vielfalt, Dialog und die vermittelnde Energie von Sport und Kultur setzte. Zu erleben waren fantasievolle Literaturabende, Lichtbilder aus dem winterlichen Südural und vom „Goldenen Ring“ um Moskau, ein Kinderfest mit Hexe Baba Jaga & Co im KuBuS, eine kulinarische
Weltreise durch Jenas Küchen und ein ganz besonderes Klangerlebnis: Erstmals hat das Festival einen Chor zu Gast – und was für einen! Gemeinsam mit dem Knabenchor der Jenaer Philharmonie gab der Knabenchor aus dem zentralrussischen Wladimir unter der Leitung von Professor Eduard Markin in der Stadtkirche St. Michael ein A-cappella-Konzert der Extraklasse. Zu Rachmaninows „Bogorodice Devo“ und Anton Bruckners „Locus iste“ erfüllte der Klang von über 100 deutschen und russischen Knabenstimmen das Kirchenschiff.
Sportlich ging es zum Auftakt des Festivals bei „DiverCity Jena – Sport trifft Kultur“ im Sportpark Lobeda zu. Bunt gemixte Teams wetteiferten dort mit Korbjägern der Jena Baskets beim Street-Basketball und dem russischen Wurfspiel „Gorodki“ um Punkte.
Literarisch setzte das Festival auf Qualität, Abwechslung und auf poetische Russlandkompetenz ganz in der Nähe. Während in der Buchhandlung Thalia in der „Neuen Mitte“ die russisch-deutsche Autorin und Ingeborg-Bachmann-Preisträgerin 2012, Olga Martynova, aus ihrem Erfolgsroman „Mörikes Schlüsselbein“ las, gab in der Villa Rosenthal der Jenaer Stadtschreiber Dmitrij Gawrisch Einblick in eine vielstimmige Bühnenerzählung über die Rote Armee im Jena der Nachkriegszeit. Zum Lese- und Konzertabend „Der Bär tanzt“ machte sich wiederum ein grenzüberschreitendes Literatur-Quartett einen ganz eigenen Reim auf das Land der Puschkins und Papirossi: Lyrik traf auf Prosa, russisches Original auf deutsche Übersetzung, Philosophisches auf Alltägliches. Für einen konzertanten Ausklang in die Nacht sorgen die aus Russland stammende Pianistin Olga Nowikowa und der Schlagzeuger Krishan Zeigner von der Dresdner Band triOzean.
Zum großen Finale furioso empfing das Festival schließlich am zweiten Festival-Freitag in die Villa am Paradies. Mit Volldampf ging es durch die Weiten der Musikszene Osteuropas: Nach einer mitreißenden Folklore-Show des Jenaer MIG e.V. brachten die Leipziger Baikaltrain-DJs Petrike & Mahalla den Partyzug auf Hochtouren: rasanter Russen-Ska, abgefahrener ukrainischer Folk-Punk und eine Schippe pulsierender Balkan-Brass ließen den Lokschuppen beben und die Lampen klirren.

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